Die Bürgerstiftung Bergatreute

Buchvorstellung 2019 Schäfer

Der Bergatreuter Bürgermeister hat sich getraut: Gemeinsam mit Bernhard „Barny“ Bitterwolf hat er das Buch „Und alles wegen einer Straßenlampe...“ über seinen von gegenseitigem Respekt geprägten, nichts desto trotz höchst amüsanten Mailverkehr mit dem vor einem halben Jahr verstorbenen, ehemaligen Bad Waldseer Stadtarchivar Michael Barczyk, im Bürgersaal in Bergatreute der Öffentlichkeit vorgestellt.

Sie haben ihn einige schlaflose Nächte gekostet, die Vorbereitungen für die Buchpräsentation, gibt Helmfried Schäfer, der Bürgermeister Bergatreutes und Mitautor des Buches zu. Aber an diesem Dienstagabend war dann alles vergessen: Gemeinsam Barny Bitterwolf, der die Rolle von Michael Barczyk bei der Lesung perfekt ausfüllte, weil er mit diesem eng befreundet war und diesen und seinen für manchen Zeitgenossen etwas eigen wirkenden Humor bestens kannte, las er einige Passagen aus dem elektronischen Briefwechsel, den die Beiden zwischen 2009 und 2012 miteinander führten, in welchem die beiden Schreiber mal ironisch mal bissig das Dorfgeschehen und die große Politik kommentierten.

Die Vorgeschichte: Michael Barczyk, der ehemalige Gymnasiallehrer und damalige Stadtarchivar von Bad Waldsee lebte in dem Ortsteil Abetsweiler ruhig und friedlich, bis ihm die Gemeinde Bergatreute eine Segnung vor sein Haus hingestellt hatte, die ihn um den Schlaf brachte: Direkt vor seinem Schlafzimmerfenster brannte nun Nacht für Nacht eine Straßenlampe, welche die benachbarte Straßenkreuzung beleuchten sollte – und zwar durchgängig. Um seine Nachtruhe wieder zu finden, schrieb er also eine Mail an den Bürgermeister, die dieser ob der elegant verpackten Kritik zunächst nicht ein zu ordnen wusste. Schäfer ließ seine zunächst sehr geharnischte Antwort – getreu dem Ratschlag von Stuttgarts Alt-OB Manfred Rommel – erst einmal eine Nacht liegen, um sie dann am Tag danach noch einmal zu überarbeiten und dem bissig ironischen Ton von Barczyck anzugleichen. Was sich dann als Glücksgriff herausstellen sollte...

Selten war der Begriff „Lampenfieber“ angebrachter als an diesem Abend. Zum einen beim Bürgermeister, der im Vorfeld der Präsentation manche Nacht fast schlaflos verbracht hatte, zum anderen aber weil sich im Bürgersaal annähernd 80 erwartungsvolle Besucher drängten, als Barny Bitterwolf mit seiner Gitarre gemeinsam mit dem ehemaligen Lehrer an der Bergatreuter Schule, Hans-Peter Hirthhammer mit seiner Querflöte, die Buchpräsentation und Lesung musikalisch eröffnete. Schäfer wäre nicht Schäfer hätte er sich nicht auch dafür etwas Besonderes einfallen lassen: So stand doch tatsächlich ein „Corpus delicti“ auf der kleinen Bühne – die sicherheitshalber nur 25 cm hoch war, der Unfall von Wirtschaftsminister Altmaier ließ grüßen – das dann auch tatsächlich funktionierte (!), und so dem Publikum einen guten Eindruck vermittelte, wie in das Barczyck´sche Heim hineingeleuchtet wurde bzw. noch wird.

Im angenehm warmen Licht der Straßenlampe begannen die Beiden nun die aus dem März 2009 beginnenden Kabbeleien zu lesen, des öfteren unterbrochen von Bitterwolfschen Einwürfen, nachdem Barczyk bei einer der nächsten Mails („Mea culpa, des woisch?“) seinen Fauxpas bezüglich der neuen Homepage des Ortes zugab. Natürlich nicht ohne dem Bürgermeister noch bissig – ob dessen geöffneten Sakkos auf dem Begrüßungsbild der Homepage – „eine mitzugeben“.

Nebenher erfuhren die Besucher, die dank der Bewirtung durch die Bürgerstiftung Bergatreute nicht auf dem Trockenen saßen, auch noch einiges Hintergrundwissen, weil Bitterwolf nicht nur in die Rolle Barczyk´s schlüpfte, sondern darüberhinaus mit Helmfried Schäfer auch noch ein Interview führte.
Ob der Schriftwechsel wohl als Buch geplant worden sei wollte er wissen. Die Antwort Schäfers: „Nein, wir haben zwar hin und wieder damit kokettiert, zwei Exemplare zu drucken und sie dann irgendwo für die Nachwelt zu vergraben.“ Auf die Frage nach den Alleinstellungsmerkmalen des Buches sagte Schäfer: „Ich kenne kein Buch, das so lückenlos und auch schonungslos einen Schriftverkehr dokumentiert.“ Zum Beispiel schrieb Helmfried Schäfer unter ein Urlaubsbild des leidenschaftlichen Hobby-Koches und genussvollen Essers Barczyk: „Der Hummer hat es hinter sich, Sie noch vor sich!“ Mit ihrem speziellen Humor schonten die beiden einander nicht.

Schäfer war Paul Sägmüller, dem Verleger des Büchleins, sehr dankbar, dass es 1:1 und ungekürzt so erscheinen konnte. Die Sache sehr erleichtert habe, dass Karina Barczyck, die Witwe des sehr belesenen Michael Barczyck, als Lektorin bei einem Verlag arbeitet und nachdem sie bei einer Zugfahrt das Manuskript gelesen hatte und dabei mehrmals geschmunzelt bzw. laut gelacht habe, dem Projekt den letzten „Schucker“ gegeben hat: „Bringen sie es heraus!“

Angesprochen auf ihr beider Verhältnis, sagte Schäfer: „Es war ein inniges Verhältnis, obwohl wir keine Duz-Freunde waren.“ Keiner sei auf diese Idee gekommen, wohl auch weil ihr Verhältnis sehr von gegenseitigem Respekt geprägt war und sie „auf der gleichen Wellenlänge sendeten“. Der Gewinn vom Buchverkauf geht übrigens 1:1 an die Bürgerstiftung.

Am Ende der rund eineinhalb Stunden dauernden Lesung lüftete Helmfried Schäfer dann auch noch das Geheimnis, wie die Gemeinde die Nachtruhe für Barczyk wiederherstellen konnte. Der ehemalige Bauhofleiter Vonier habe die geniale Idee gehabt: Mit Alufolie.

Zum Abschluss bedankte sich Helmfried Schäfer bei allen, die an dem Projekt und dem Abend mitgewirkt hatten, beim Verleger, der Volksbank Ravensburg-Weingarten, die einen Großteil der Druckkosten übernommen hatte, bei den Musikern, aber speziell natürlich bei Barny Bitterwolf, der die Rolle von Barczyck perfekt ausgefüllt habe, sowie der Bürgerstiftung für die Bewirtung, ehe er sich an dem Verkaufstisch zum Signieren des 9,90 € kostenden Büchleins niederließ.

Text: Ulrich Gresser
Fotos: Wolfgang Reumont

Drucken E-Mail

Wir benutzen Cookies

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.